Tauchtauglichkeit bei Frauen

Geschrieben von Dr. Anke Fabian - Aqua Med am 25. April 2017.

Tauchtauglichkeit bei Frauen und spezifische gynäkologische Fragestellungen 


Medizinische Artikel Erstellt von Dr. Anke Fabian - AquaMed

Grundsätzlich hat jede Tauchtauglichkeitsuntersuchung dieselben Grundregeln. Aber – jede
„besondere Gruppe von Tauchern“ benötigt andere Fragestellungen. Niemand käme auf die
Idee einen jungen Mann zu fragen ob er schwanger sein könnte noch würde man eine Frau auf
eine Prostatavorsorgeuntersuchung ansprechen. Bei Untersuchungen von Frauen ist – neben
der obligaten Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft – ein erweiterter Blickwinkel
auf die gynäkologischen Aspekte und Erkrankungen (nach Gebährmutterentfernung oder
Brustkrebs etc.) wichtig.
Die frühere Annahme, dass Frauen – bedingt durch den biologisch höheren Körperfettanteil –
ein höheres DCS-Risiko als Männer haben, hat sich nicht bestätigt, obwohl der Monatszyklus
und Hormonschwankungen einen Einfluss auf die DCS-Empfindlichkeit haben. In Studien
zeigten sich signifikant vermehrt DCS-Fälle bei Frauen in der ersten Zykluswoche. Auch gibt
es Unterschiede in Bezug auf die Symptomatik. Bei Frauen werden häufiger Beschwerden in
der Brust angegeben als bei Männern (Spannungsgefühl, Schmerzen, Schwellung).
Die Leitlinien der GTÜM (Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin Deutschland) zur
Tauchtauglichkeitsuntersuchung tragen den gynäkologischen Aspekten Rechnung und können
in der Checkliste Tauchtauglichkeit nachgelesen werden (siehe Literaturanhang).

Spezielle Fragestellungen und Fragen aus der tauchmedizinischen Ambulanz:

1. Kann ich während meiner Regelblutung tauchen?
JA. Es sollte auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Bei Unwohlsein
oder Bauchkrämpfen eher auch mal pausieren.

2. Kann ich alle herkömmlichen Hygieneartikel während der Regelblutung
verwenden?
Grundsätzlich JA – jedoch ist das Tauchen mit Einlagen oder Binden hygienisch
gesehen im Neoprenanzug nicht empfehlenswert.

3. Besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko im Intimbereich während der
Regelblutung?
NEIN – die üblichen Hygienemaßnahmen sind ausreichend.

4. Provoziere ich Haiangriffe durch Spuren von Menstruationsblut?
eher NEIN - Zitat von Dr. Erich Ritter, Haiexperte: Das Thema «Monatsblutungen als
Blutquelle» wurde in den Tauchmagazinen schon mehrfach und meist von Ärzten -
ohne jede praktische Erfahrung mit Haien - diskutiert. Mangels sich für Feldversuche
mit Haien im Wasser zur Verfügung stellender Probandinnen konnte ich die
Wirkungen von Monatsblutungen auf Haie bisher selbst nicht untersuchen. Da Haie
aber in der Lage sind, auch winzigste Blutkonzentrationen im Wasser (1:10 Milliarden
Teilchen!) wahrzunehmen, werden sie zweifellos auch Monatsblutungen orten können
und auch darauf reagieren. Meines Erachtens nach bildet jedoch ein intakter
Tauchanzug von 7 mm Stärke eine gute Barriere gegen eventuell ins Wasser
austretende Blutbestandteile. Will die betroffene Frau ohne Tauchanzug oder nur mit
Tropenanzug bekleidet mit Haien tauchen, empfehle ich ihr, sich in der Strömung
unterhalb und in angemessener Distanz des Hais aufzuhalten. Ich gehe dabei nicht
davon aus, dass der Hai die Frau nun gleich als interessante Beute sehen wird, wenn
er Blutbestandteile geortet hat. Ich schließe aber nicht aus, dass beim Hai eine
erhöhte Neugier entstehen kann. Monatsblutungen sind, bei richtigem Verhalten,
kein Problem, dürfen dennoch aber auch nicht verharmlost werden. Häufig sind
während ihrer Periode tauchende Frauen - wohl aus Unsicherheit darüber, wie der
Hai nun reagieren würde - zusätzlich nervöser, was ebenfalls auf Haie stimulierend
wirken kann.

5. Darf ich tauchen wenn ich die Pille nehme?
JA – entgegen vieler anderer Vermutungen erhöht die Einnahme von
Verhütungsmittel das Risiko eines Tauchunfalles nicht.

6. Darf ich während der Schwangerschaft tauchen?
NEIN – auch nicht mit strikt konservativen Profilen. Eine Schädigung oder Abgang
des Fötus/Embryo ist nicht auszuschließen. Wurde während unbekannter
Frühschwangerschaft getaucht, ist dies jedoch keine Indikation zum Abbruch der
Schwangerschaft.

7. Wann darf ich nach der Geburt meines Kindes wieder tauchen?
Wenn der Wochenfluss aufgehört hat und die Frau sich wohl fühlt und körperlich eine
ausreichende Leistungsfähigkeit besitzt darf wieder getaucht werden. Zum
Wohlfühlen gehört aber auch genügend Schlaf! Nach einer durchwachten Babynacht
empfiehlt es sich die Schlafpausen des Kindes eher zum Ausruhen als zum Tauchen zu
benutzen. Nach einem Kaiserschnitt gilt prinzipiell das gleiche. Zusätzlich müssen alle
Wunden gut verheilt sein – auch die innerlichen Nähte an der Bauchmuskulatur. Bei
zu früher Beanspruchung (Anheben der schweren Tauchausrüstung) kann es hier zu
Nahtinsuffizienzen kommen.

8. Kann ich während der Stillzeit tauchen?
JA – Stickstoffblasen sind gut fettlöslich und lösen sich zwar hervorragend in der
Muttermilch, werden allerdings bereits beim Saugvorgang weitgehend entsättigt. Eine
weitere Entsättigung erfolgt im kindlichen Magen. Schädigungen durch übertretende
Stickstoffblasen sind somit ausgeschlossen. Die weit offenen Milchkanäle stellen
jedoch eine Eintrittspforte für Keime dar, weswegen eine peinliche Hygiene
eingehalten werden muss. Bei Mastitis (Brustentzündung) besteht Tauchverbot.
Weiterhin ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, da die Mutter beim
Stillen einen erheblich gesteigerten Flüssigkeitsbedarf hat. Im Falle eines Rückganges
der Milchproduktion liegt meist ein Flüssigkeitsdefizit vor.
Siehe hierzu auch Artikel: Tauchen während der Schwangerschaft Ausgabe DI 11/09.

9. Darf ich tauchen wenn Kinderwunsch besteht?


Wenn Kinderwunsch besteht sind Frauen meist sehr aufmerksam bezüglich ihres
Monatszyklus und wissen ungefähr wann der Eisprung stattfindet. Bis dahin kann
bedenkenlos getaucht werden. Ist eine Schwangerschaft danach nicht ausgeschlossen,
lieber abwarten bis zum ersten Test. Es gibt Frühtests, welche bereits eine Woche nach
der Befruchtung einsetzbar sind. Ist der Test positiv – herzlichen Glückwunsch und
Tauchpause.

10. Kann ich mit einem Silikon-Brustimplantat tauchen?
JA – die modernen Implantate sind mit Flüssigkeit gefüllt (Kochsalzlösung oder
Silikonöl) und deshalb bei den – beim Tauchen erreichten Umgebungsdrücken – nicht
komprimierbar. Druckschäden entstehen meist durch drückende
Ausrüstungsteile. Seltene Berichte über geplatzte Implantate sind meist auf
Materialfehler zurückzuführen. In Druckkammerversuchen zeigte sich, dass eine
gewisse Stickstoffaufsättigung stattfindet (in Silikonöl mehr als in Kochsalz). Es traten
jedoch keinerlei Schädigungen der Implantate auf.

11. Wann darf ich nach Gebährmutter- oder Eierstockentfernung wieder tauchen?
Das kommt auf die Art der Operation an. Wird endoskopisch vorgegangen reicht in
der Regel eine Tauchpause von 8 Wochen. Der Gynäkologe muss vorher durch
Untersuchung eine abgeschlossene innere Wundheilung attestiert haben und es dürfen
keine Beschwerden mehr vorliegen. Wenn über einen Schnitt durch die Bauchdecke
operiert wurde muss die Wundheilung ebenfalls abgeschlossen sein. Durch die Naht
der Bauchmuskulatur und Faszien empfiehlt sich jedoch die Pause auf 3 Monate
auszudehnen damit es zu keinen Brüchen der Bauchdecke kommt – vor allem durch
das Anheben der schweren Ausrüstung.

12. Wann darf ich nach einer Brustoperation wieder tauchen?
Das kommt prinzipiell auf den Grund der Operation an. Bei Implantaten und nach
Reduktionsplastiken darf getaucht werden sobald die Wundheilung abgeschlossen ist,
Sportfähigkeit besteht und keine Schwellungen mehr vorliegen. Im Falle von
Brustkrebs bestimmen der Verlauf und die Therapie der Erkrankung die
Tauchfähigkeit. Hier ist eine Einzelfallentscheidung notwendig.

Frauentauchen quo vadis?
Frauen haben im Tauchsport mächtig aufgeholt. Derzeit sind immerhin 30 % aller Taucher
weiblich. Eine Frau in der Tauchgruppe zu haben kann bestimmte Situationen drastisch
entschärfen, da Frauen in der Regel sicherheitsbewusster und risikoärmer als Männer sind. Im
Auftrag des Tauchsport-Industrieverbandes beantworteten Taucher Fragebögen in
ausgewählten Tauchshops oder im Internet. Bis Oktober 2009 liefen insgesamt 872
Fragebögen zurück, die auf die realen Bestandszahlen hochgerechnet wurden. Neben vielen
anderen Basisdaten konnte hierbei ermittelt werden, dass ca. 50 % der tauchenden Frauen ab
etwa 30-35 Jahren den aktiven Tauchsport verlassen – nämlich dann, wenn sie Kinder
bekommen. Und sie steigen auch später nicht wieder ein. Erklärt dies die immer noch so hohe
Väter- bzw. Männerquote im Tauchsport?


Nichtsdestotrotz sind Frauen in jedem Sektor des Tauchsports anzutreffen – sowohl im
Apnoesport, Freizeittauchen als auch im Technical Diving und verfeinern die
Tauchsportszene mit „weiblicher Hand“ bzw. Flosse.

Anhang Literatur:
• Fife C., Dowse M,. Woman and Pressure, Diving and Altitude , Best Publishing
Company, Flagstaff, 2010
• Muth CM (2007) Frauentauchen. In: Klingmann Ch, Tetzlaff K. (Hrsg). Moderne
Tauchmedizin. Gentner Verlag, Stuttgart, Seiten 621 - 633
• Tetzlaff K, Klingmann Ch, Muth CM, Piepho T, Welslau W, Prohaska R, (M-Hrsg)
(2014). Checkliste Tauchtauglichkeit – Untersuchungsstandards und Empfehlungen
der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM). Gentner Verlag,
Stuttgart

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